Prämiensparen richtig lesen

50 % Prämie sind nicht 50 % Rendite.

Prämiensparverträge wirken auf den ersten Blick extrem attraktiv: steigende Prämien, sichere Zinsen und später sogar 20, 30, 40 oder 50 Prozent. Der entscheidende Punkt steckt aber im Kleingedruckten: Die Prämie bezieht sich normalerweise nur auf die Sparbeiträge des jeweiligen Jahres – nicht auf das gesamte Guthaben.

Der Denkfehler

Die große Prozentzahl sitzt auf einer kleinen Bemessungsgrundlage

Die Prämie

Bei 200 € monatlich werden 2.400 € pro Jahr eingezahlt. Eine 50-%-Prämie bedeutet deshalb maximal 1.200 € Zusatzgutschrift für dieses Sparjahr.

Der Basiszins

Der eigentliche Zins auf das gesamte Guthaben ist variabel. Beim hier gezeigten Altvertrag gilt für Vertragsabschlüsse bis 14.02.2023 derzeit ein Basiszins von 1,88 % p. a.

Die echte Kontorendite

Je größer das bereits angesparte Guthaben wird, desto kleiner wirkt die Prämie relativ zum gesamten Kapital. 50 % Prämie können deshalb auf Kontoebene nur wenige zusätzliche Prozentpunkte Rendite bedeuten.

Was im Kopf hängen bleibt„50 % Prämie“
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Tatsächliche Rechenbasisnur die Jahresbeiträge
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Bei 200 € / Monatmax. 1.200 € Bonus
Interaktiver Vergleich · alle Werte veränderbar

Prämiensparen gegen ETF-Depot

Der Rechner startet mit deinem Beispiel: 200 € monatlich, 25 Jahre, die Prämienstaffel des 2016er Vertrags und der aktuell für Altverträge veröffentlichte Basiszins von 1,88 %. Für das Depot sind 7 % Bruttorendite und 0,20 % laufende ETF-Kosten voreingestellt.

Einstellungen
Prämienstaffel des gezeigten Altvertrags: 0 / 0 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8 / 9 / 10 / 20 / 30 / 40 / 50 % und ab Jahr 14 weiter 50 %.
Einzahlungen60.000 €
Prämiensparen netto–
ETF-Depot netto bei Verkauf–
Unterschied–
VermögensentwicklungNetto-Vergleich nach Jahren
Prämiensparen ETF-Depot
Höchste Prämie1.200 €bei 50 % auf die Jahresbeiträge
Prämieneffekt auf das Gesamtkapital–im ersten Jahr mit 50-%-Prämie
Steuersatz Zins & Prämie26,375 %ohne Kirchensteuer, soweit kein Freibetrag greift
Aktienfonds-Steuerbelastungca. 18,46 %auf steuerpflichtige Gewinne nach 30 % Teilfreistellung

Vereinfachte Modellrechnung, keine Prognose. Der Basiszins wird für die gesamte Modelllaufzeit konstant unterstellt; das ist ausdrücklich keine historische Rückrechnung des Vertrags seit 2016. Beim ETF wird die Steuer auf den bis zum jeweiligen Jahr entstandenen Gewinn als fiktive Netto-Verkaufsrechnung dargestellt. Vorabpauschale, Ausschüttungen, Kirchensteuer, persönliche Verlustverrechnung und Günstigerprüfung werden nicht individuell modelliert.

Steuern

Auch steuerlich sind beide Wege nicht gleich

Prämiensparen: Zinsen und Prämien sind Kapitalerträge. Ohne Freistellungsauftrag werden grundsätzlich 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Beim gezeigten Produkt weist der Anbieter ausdrücklich darauf hin, dass sowohl Zinsen als auch Prämien steuerpflichtig sind.

Aktien-ETF: Bei einem steuerlich anerkannten Aktienfonds sind 30 % der Erträge teilfreigestellt. Ohne Kirchensteuer ergibt sich dadurch rechnerisch eine maximale Belastung von rund 18,46 % auf den Gewinn. Während der Laufzeit kann zusätzlich die Vorabpauschale eine Rolle spielen.

Sparer-Pauschbetrag 2026

1.000 € ledig
2.000 € zusammen veranlagt

Der Freibetrag gilt über alle Kapitalerträge hinweg – nicht je Vertrag. Deshalb startet der Rechner bewusst mit 0 € noch verfügbarem Pauschbetrag. Wer ihn noch nicht anderweitig nutzt, kann ihn oben einrechnen.

Nachteile, die schnell untergehen

Was am Prämiensparen weniger attraktiv ist, als es klingt

50 % ist keine Kontorendite

Die Prämie gilt nur auf die vertragsgemäßen Jahresbeiträge. Die Schlagzeile kann dadurch deutlich größer wirken als die Rendite auf das gesamte Vermögen.

Basiszins ist variabel

Der Zins auf das eigentliche Guthaben kann steigen oder fallen. Eine hohe spätere Prämienstufe garantiert deshalb keine dauerhaft hohe Gesamtrendite.

Die guten Jahre kommen spät

Bei deinem Altvertrag werden 20, 30, 40 und 50 % erst nach vielen Jahren erreicht. Wer vorher aussteigt, hat einen erheblichen Teil der attraktiven Prämienstufen nie genutzt.

Wenig Flexibilität im Produkt

Beim 1892-Rendite-Sparen sind die Raten fest vereinbart; Einmalzahlungen sind beim aktuellen Produkt nicht vorgesehen. Teilverfügungen sind laut Sonderbedingungen nicht möglich.

Steuern bremsen laufend

Zins- und Prämiengutschriften sind steuerpflichtig. Werden Steuern jährlich abgeführt, fehlt dieses Geld anschließend für den weiteren Zinseszinseffekt.

Inflation arbeitet gegen den Nominalzins

Ein sicher wirkender nominaler Ertrag kann real deutlich kleiner sein. Für lange Anlagezeiträume ist deshalb die Rendite nach Kosten, Steuern und Inflation entscheidend.

Sicherungssystem genau verstehen

Die 1892 verweist für ihre Spareinlagen auf den GdW-Selbsthilfefonds. Für einen fairen Sicherheitsvergleich sollte dieser Mechanismus getrennt von der Kapitalmarktrisiko-Frage eines ETF-Depots betrachtet werden.

Opportunitätskosten über lange Zeit

Ein Sparplan über 15 oder 25 Jahre bindet sehr viel Anlagezeit. Wer dafür auf Kapitalmarktchancen verzichtet, sollte prüfen, ob die höhere Planbarkeit den möglichen Renditeabstand rechtfertigt.

Schwerer als ein Zinssatz zu vergleichen

Basiszins plus jährlich wechselnde Prämie ergibt keine einfache „Rendite p. a.“. Für einen sauberen Vergleich braucht man den gesamten Zahlungsstrom – genau deshalb rechnet der Vergleich oben Jahr für Jahr.

Nicht nur ein 1892-Thema

Das Prinzip gibt es auch bei Sparkassen

Prämiensparen ist kein exotisches Einzelprodukt. Auch Sparkassen bieten entsprechende Modelle an: regelmäßige Sparraten, ein variabler Basiszins und zusätzlich eine laufzeitabhängige Prämie auf die Jahresbeiträge. Die konkreten Konditionen unterscheiden sich regional deutlich.

Beispiel: Die Sparkasse Duisburg weist 2026 für „Prämiensparen flexibel“ einen variablen Basiszins und Prämien von bis zu 15 % aus. Auch dort wird die Prämie ausdrücklich auf die vertragsmäßig erbrachten Sparleistungen des jeweiligen Jahres gezahlt.

Die richtige Frage lautet deshalb nie:

„Wie hoch ist die Prämie?“

Sondern:

„Welche Rendite erziele ich auf mein gesamtes Kapital – nach Kosten, Steuern und Inflation?“
Fairer Vergleich

Das Depot hat dafür ein anderes Risiko

Keine Renditegarantie

7 % sind eine langfristige Modellannahme, keine Zusage. Aktienmärkte können über Jahre deutlich schwanken und zwischenzeitlich stark fallen.

Falscher Anlagehorizont kann weh tun

Wer das Geld zu einem festen Termin kurzfristig benötigt, kann bei einem Börsenrückgang gezwungen sein, mit Verlust zu verkaufen.

Disziplin bleibt wichtig

Die hohe Flexibilität eines Depots ist nur dann ein Vorteil, wenn Anleger bei Schwankungen nicht emotional verkaufen oder den Sparplan ständig ändern.

Quellen & Annahmen

Für den Beispielvertrag wurden die auf dem Vertragsformular gezeigte Prämienstaffel und die aktuell veröffentlichte Zinsanpassung für 1892-Bestandsverträge verwendet. Die heutigen Neuvertragskonditionen der 1892 sind davon verschieden: Das aktuelle Rendite-Sparen läuft maximal 15 Jahre und nennt bis zu 15 % Prämie.

Stand: 6. Oktober 2026. Unverbindliche Information und Modellrechnung, keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

Die Prozentzahl ist nicht das Ergebnis.

Entscheidend ist, was nach der gesamten Laufzeit tatsächlich übrig bleibt. Genau dafür ist der Rechner oben gedacht.